Musik machen online: So macht ihr mit anderen Musikern virtuell Musik

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Von Stefan Hofmann

In Zeiten von Kontaktbeschränkungen können klassische Bandproben oft nicht stattfinden. Das gemeinsame Musizieren bleibt so auf der Strecke. Jedoch gibt es heutzutage Möglichkeiten, trotzdem zusammen an Songs zu arbeiten. Die Lösung heißt: Musik machen online …

… „Musik machen online, wie soll denn das funktionieren?“, mag sich der ein oder andere von euch sicherlich fragen. In diesem Artikel zeigen wir euch verschiedene Online-DAWs und Browseranwendungen mit besonderen Features, die es euch erlauben, über das Internet Musik zu machen – und mehr. Außerdem erfahrt ihr, wie ihr im Team an Recording-Projekten arbeiten könnt und welche Dienste sich für den Transfer großer Datenmengen eignen.

Musik machen online: Überblick über Online-DAWs und Co.

Musik machen online ist das Thema der Stunde. Dank verfügbarer Online-DAWs sind virtuelle Bandproben und Recording-Sessions problemlos über das Internet möglich. Folgend stellen wir euch 10 Anwendungen vor, mit denen ihr virtuell an eurer Musik arbeiten könnt.

Steinberg VST Connect
Musik online machen: Steinberg VST Connect

Mit VST Connect und VST Transit bietet Steinberg gleich zwei Möglichkeiten an, virtuell mit Instrumentalisten zu kollaborieren. VST Connect ist eine Remote-Recording-Lösung, mit der ihr in Echtzeit andere Musiker aufnehmen könnt – ganz egal wo auf der Welt sich diese befinden. Dabei tretet ihr per Videochat mit euren Kollaborationspartnern in Kontakt. Als Leiter der Recording-Session benötigt ihr eine Vollversion von Steinberg Cubase Pro (ab Version 9.5) oder Steinberg Nuendo (ab Version 8).

Beide Programme enthalten mit VST Connect SE eine kostenlose Variante der Software. Diese ist jedoch im Vergleich zu VST Connect Pro 5 (Kostenpunkt: 199 Euro) nur mit einigen Einschränkungen nutzbar. So ist hier beispielsweise keine verschlüsselte Übertragung der Audio-Daten möglich. Mit der Vollversion könnt ihr bis zu 16 Tracks gleichzeitig aufnehmen und auch MIDI-Dateien austauschen. Übrigens: Der aufgenommene Musiker braucht selbst keine Vollversion von Steinberg Cubase, sondern kann sein Instrument über die kostenlose Anwendung VST Connect Performer einspielen.

Mehr Informationen zu Steinberg VST Connect gibt es hier.

Steinberg VST Transit

Steinberg VST Transit ist ein Cloud Collaboration Service, der es euch erlaubt, mit anderen Musikern und Produzenten online in Kontakt zu treten und zusammen über die Cloud an Projekten zu arbeiten. Im Gegensatz zu VST Connect musiziert ihr hier jedoch nicht in Echtzeit. Ihr könnt entweder ein eigenes Song-Projekt starten oder euch an bereits bestehenden Projekten beteiligen. Eure Audio- und MIDI-Spuren ladet ihr ganz einfach in einen Cloud-Speicher. So könnt ihr überall an euren Projekten arbeiten.

Mit VST Transit Go verwandelt ihr euer iPad in ein mobiles System für Musikkollaborationen. Übrigens: Dank Steinberg VST Transit Join ist es egal, welche DAW ihr nutzt. 750 MB Speicherplatz und 1,5 GB Download-Traffic im Monat stehen kostenlos bereit. Wenn ihr mehr Speicherplatz benötigt, könnt ihr auf die kostenpflichtige Premium-Version updaten.

Mehr Informationen zu Steinberg VST Transit gibt es hier.

Avid Cloud Collaboration
Musik Online machen: Avid Cloud Cooperation

Auch Avid Cloud Collaboration ist ein Dienst, der es euch ermöglicht, über die Cloud mit anderen Musikern Musik zu machen. Diese Funktion ist nur mit der hauseigenen DAW-Reihe Pro Tools nutzbar und kann direkt aus dem Programm-Menü aufgerufen werden. Ihr könnt also nicht mit Nutzern anderer DAWs zusammenarbeiten.

Es ist egal, ob ihr Pro Tools in der Standard- oder Ultimate-Version nutzt – die Kollaborationsfunktion ist in allen Varianten enthalten. Verwendet ihr das kostenlose Pro Tools First, könnt ihr einem Kollaborations-Projekt nur beitreten und kein Eigenes erstellen. Mit einem der kostenpflichtigen Avid-Cloud-Collaboration-Abomodelle könnt ihr jedoch diese Funktion auch hier freischalten.

Über die Cloud lassen sich Projektdateien synchronisiert austauschen sowie Audio- und MIDI-Spuren teilen und zusammen bearbeiten. Anders als bei Steinberg VST Connect verfügt Avid Cloud Collaboration nicht über einen Videochat, ihr könnt aber per Textnachricht mit euren Bandkollegen in Kontakt treten. Gleich ist bei beiden Software-Lösungen, dass ihr online nach Aufnahmepartnern suchen könnt. 1 GB Speicherplatz ist bereits in den Pro-Tools-Versionen kostenlos enthalten. Ihr braucht mehr? Dann könnt ihr aus verschiedenen monatlich oder jährlich zu zahlenden Abomodellen wählen.

Mehr Informationen zu Avid Cloud Collaboration gibt es hier.

Bandlab
Musik online machen
Musik Online machen: Bandlab

Bandlab ist wohl die einzige Online-DAW, die über eigens entwickelte und separat erhältliche Audio-Interfaces verfügt. Mit Bandlab Link Digital (79 Euro) und Bandlab Analog Mini (29 Euro) könnt ihr ganz einfach Aufnahmen realisieren. Natürlich lässt sich auch ein anderer Wandler verwenden.

Mit Bandlab habt ihr die Möglichkeit, über euren Browser mit verschiedenen Musikern zusammenzuarbeiten, die integrierten Instrumente und Effekte zu nutzen und sogar eine eigene Mastering-Funktion zu verwenden. Egal ob Smartphone, Tablet oder eben der eigene Rechner – Bandlab läuft auf vielen Gerätschaften und ermöglicht euch ortsunabhängig und kostenlos Musik zu produzieren. Übrigens: Über den eigenen Shop könnt ihr eure Musik zum Kauf anbieten.

Mehr Informationen zu Bandlab gibt es hier.

jampool
Musik online machen
Musik online machen: jampool

Das Ziel von jampool ist es, Musiker weltweit zu vereinen. So gibt es auf der Website verschiedene Song-Projekte, denen ihr beitreten könnt. Seid ihr gut genug, könnt ihr euren Anteil an dem jeweiligen Projekt leisten. Natürlich ist es auch möglich, eigene Projekte zu erstellen und selbst nach Musikern zu suchen.

Im Großen und Ganzen ist jampool eine Art Dropbox, die auf Recording-Projekte spezialisiert ist. Diese verfügt über eine Verlaufs-Historie, eine Chat-Funktion sowie eine genre- und instrumentenbasierte Musikersuche. Um selbst mitmachen zu können, reicht es ein Nutzer-Profil zu erstellen. Die Teilnahme ist kostenlos.

Mehr Informationen zu jampool gibt es hier.

Soundation
Musik online machen. Soundation
Musik online machen. Soundation

Soundation ist eine Recording-Software, die je nach Preismodell über bis zu 5 Synthesizer, 4 Sample-Player, 14 Effekte und eine große Anzahl an Loops und Samples verfügt. Die kostenlose Version ist etwas eingeschränkter als die beiden kostenpflichtigen Varianten. Wobei ihr hier trotzdem auf 700 Loops und Samples zurückgreifen könnt. Die Vollversion erlaubt es euch, mit MIDI-Controllern zu arbeiten und intern Audio über euer Audio-Interface aufzunehmen.

Mit Soundation könnt ihr problemlos mit bis zu 10 Musikern an einer Session arbeiten. Der Anbieter nennt das übrigens „Multiplayer Mode“. Somit eignet sich diese online DAW auch perfekt als Lehrmittel für Musiklehrer.

Weitere Infos gibt es hier.

Soundtrap
Musik Online machen: Soundtrap
Musik Online machen: Soundtrap (Foto: gearnews.de)

Soundtrap ist eine Online-DAW, die alles mitbringt, um professionell Musik zu produzieren. Selbst eine eigene Auto-Tune-Version von Antares ist mit an Bord. Und dabei ist es egal, ob ihr an eurem Rechner oder über ein Tablet beziehungsweise Smartphone an Tracks arbeitet. Ihr könnt Instrumente direkt in die DAW aufnehmen, Automationen realisieren, mit anderen Musikern zusammenarbeiten und über 4.000 Loops und Presets sowie virtuelle Instrumente nutzen. Auch für Musiklehrer ist diese online DAW dank Funktionen wie Videoanrufen und Google Classroom sehr interessant. Preislich startet Soundtrap bei rund 8 Euro im Monat.

Mehr Informationen zu Soundtrap gibt es hier.

Audio Tool
Musik machen online: Audiotool
Musik machen online: Audiotool

Audiotool ist eine kostenlose und gut ausgestattete Online-DAW, die besonders auf die Bedürfnisse von EDM-Künstlern ausgelegt ist. Die Registrierung funktioniert über euren Facebook-Account. Jedoch können auch andere Musiker – wenn von euch gewollt – an euren Sessions mitarbeiten. Die Bedienung erinnert an analoge Recording-Studios. So lassen sich Kabelverbindungen virtuell mit der Maus routen.

Klangerzeuger, Effekte und Samples könnt ihr kostenlos nutzen. Diese werden per Drag-and-drop in das Hauptfenster gezogen. Ein weiteres Fenster für den Sequenzer, die Piano-Roll für MIDI-Spuren und nützliche Werkzeuge wie Schere und Stift stehen ebenfalls bereit. Die fertigen Tracks könnt ihr auf der Audiotool-Website veröffentlichen.

Mehr Informationen zu Audio Tool gibt es hier.

Pibox
Musik machen online: pibox
Musik machen online: pibox

Pibox ist ein hilfreiches Tool, um mit anderen Musikern an einem Song zu arbeiten. Eines vorweg: Mit Pibox könnt ihr keine Aufnahmen erstellen. Trotzdem kann euch dieser Dienst beim Online-Musikmachen helfen. So besteht hier die Möglichkeit, eure Songs bei Pibox hochzuladen und mit euren Bandkollegen zu teilen. Diese können dann an bestimmten Stellen Kommentare hinterlassen, wie beispielsweise: „Mach mal die Gitarre lauter,“ oder „Sing mal ein bisschen besser.“

Songideen können so weiter ausgearbeitet werden und jeder Musiker der Band ist in diesen Prozess eingebunden. Eine kostenlose Version gibt es leider nicht, jedoch starten die Abomodelle schon bei 4,50 USD im Monat.

Mehr Informationen zu Pibox gibt es hier.

Bounce Boss
Musik machen online Bounce Boss
Musik machen online Bounce Boss

Bounce Boss ist ein Konkurrenz Produkt zu Pibox. Auch hier könnt ihr verschiedene Versionen eurer Musik hochladen und sie mit ausgewählten Personen teilen. Jeder Mitwirkende kann einen Kommentar hinterlassen. Über verschiedene Rubriken wie References, Stems, Mixes und Masters lassen sich verschiedene Abschnitte des Songs kategorisieren. Ab 4 englischen Pfund pro Monat könnt ihr Bounce Boss nutzen. Für mehr Speicherplatz stehen zwei weitere Preismodelle bereit.

Mehr Informationen zu Bounce Boss gibt es hier.

Schooljam Tipp: Ihr wollt wissen, welche klassischen DAWs es gibt? Dann schaut doch bei unserem Artikel „Zuhause Musik aufnehmen: Dieses Equipment braucht ihr“ vorbei“.

Arbeiten mit DAWs

Viele von euch produzieren ihre Musik lokal mit einer klassischen Aufnahme-Software. Um gemeinsam an solchen Projekten zu arbeiten, bietet es sich an, diese Recording-Sessions an eure Mitmusiker zu verschicken. Doch bevor wir euch am Ende des Artikels verschiedene online Dienstleister vorstellen, die es erlauben große Datenmengen zu übertragen, zeigen wir euch, wie ihr DAW-Sessions für den Austausch mit euren Bandkollegen vorbereitet und geben euch Tipps zu einer unproblematischen Arbeitsweise.

Nehmt ihr als Band getrennt voneinander zuhause auf, ist es von Vorteil, dieselbe Recording-Software zu verwenden. So könnt ihr einfach ganze Recording-Sessions austauschen. Ihr spart euch sehr viel Zeit, wenn ihr eine Vorproduktion mit Software-Instrumenten erstellt, die die einzelnen Musiker dann durch „echte“ Instrumente ersetzen können.

Wichtig ist, dass ihr zumindest in der Vorproduktion und während der Aufnahme die gleichen virtuellen Effekte und Instrumente verwendet. Nutzt ihr die gleiche Recording-Software, könnt ihr einfach die mitgelieferten Plugins verwenden. Ansonsten kann es schnell passieren, dass beispielsweise der Gitarrist die Aufnahme-Session zum Sänger weiterschickt und dieser nur die cleane Gitarre hören kann, da er die virtuellen Amps nicht besitzt und somit auch nicht laden kann.

Schooljam Tipp: Möchtet ihr virtuelle Effekte und Instrumente von Drittanbietern verwenden, die eure Bandkollegen nicht besitzen, könnt ihr die betreffende Spur nach der Aufnahme mit den verwendeten Effekten „bouncen“. Somit wird der Klang der virtuellen Geräte in die Audiospur aufgenommen. Behaltet trotzdem die unbearbeitete Version, da ihr an der effektierten beziehungsweise „gebouncten“ Spur keine Änderungen an den Einstellungen der Plugins mehr vornehmen könnt.

Arbeitet ihr mit unterschiedlichen DAWs, könnt ihr trotzdem zusammen Musik aufnehmen. Hier gibt es einen einfachen Trick. Exportiert die Einzelspuren vor dem Weiterschicken mit dem gleichen Start und Endpunkt. Achtet hier unbedingt darauf, jede Spur einzeln zur Verfügung zu haben. Nun kann der nächste Musiker die Aufnahmespuren einfach in seine DAW laden und loselegen. Es ist wichtig, immer die Originalspuren zu behalten und die effektierten und exportierten Spuren nur als Guide für euren Bandkollegen zu verwenden. So könnt ihr beim späteren Abmischen noch alle Einstellungen verändern.

Um auch große Dateien beziehungsweise Recording-Sessions online austauschen zu können, braucht ihr spezielle Lösungen. Per E-Mail ist das jedenfalls meist nicht möglich. Mit einem kostenlosen Dropbox-Account oder über die Website wetransfer könnt ihr bis zu 2GB an Dateien versenden.

Schooljam Tipp: Ihr wollt wissen, wie ihr eure Musik zuhause aufnehmen könnt? Dann schaut doch bei unserem Artikel „Zuhause Musik produzieren: So nehmt ihr eure Musik zuhause auf“ vorbei.