So nehmt ihr Musik zuhause auf!

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Zuhause Musik produzieren ist nicht schwer, jedoch gibt es ein paar Dinge zu beachten, um in den eigenen vier Wänden gute Ergebnisse zu erzielen. In den folgenden Absätzen erfahrt ihr, wie ihr eure Recording-Software für eure Aufnahmen vorbereitet, Signale richtig einpegelt, Instrumente aufnehmt und mit Software-Instrumenten arbeiten könnt.

Schooljam Tipp: Ihr wollt wissen, welches Equipment ihr für euer Home-Recording-Studio braucht und welche Recording-Software zu euch passt? Dann schaut doch bei unserem Artikel „Zuhause Musik aufnehmen: Wie geht das, was brauche ich“ vorbei.

Zuhause Musik produzieren: Recording-Software vorbereiten

Bevor ihr mit den Aufnahmen der Instrumente beginnt, solltet ihr eine neue Session in eurer Recording-Software erstellen und diese vorbereiten. Achtet ihr von Anfang an auf die richtigen Einstellungen und eine gute Übersichtlichkeit, könnt ihr euch später ausschließlich auf die Aufnahme konzentrieren. Doch fangen wir von vorne an.

Samplerate & Bit-Tiefe
Die Samplerate dieses Songs beträgt 44.1 kHz.

Wenn ihr eine neue Session in eurer Recording-Software (DAW) erstellt, gilt es zuerst die Samplerate (Abtastrate) und Bittiefe einzustellen. Diese Werte sind wichtig für die Wandlung eures analogen Audiosignals in die digitale Welt – und zurück. Da Samplerate und Bit-Tiefe global für die gesamte Session gelten, solltet ihr euch Gedanken machen, welche Einstellungen für euch am besten funktionieren. Doch was bedeutet eigentlich Samplerate und Bit-Tiefe?

Die Samplerate bezeichnet die Häufigkeit, mit der ein Analogsignal – beispielsweise euer aufgenommenes Instrument – in einer vorgegebenen Zeit „abgetastet“ wird. Mit höheren Abtastraten steigert ihr die Qualität eurer Aufnahmen. Jedoch gilt: Je größer die Samplerate, je mehr Belastung setzt ihr euren Audio-Rechner aus. Wir empfehlen euch Samplerates zwischen 44,1 kHz und 96 kHz für eure Produktionen.

Eine Faustregel besagt, dass die Samplerate doppelt so hoch sein sollte wie die höchste Frequenz des aufgenommenen Audiomaterials. Das menschliche Gehör kann, je nach Alter, Frequenzen bis ca. 20 kHz wahrnehmen. Somit sollte eure Samplerate mindestens bei 40 kHz liegen. Diesen Wert werdet ihr jedoch in kaum einer DAW finden. Als CD-Standard hat sich eine Samplerate von 44,1 kHz etabliert. Diese Einstellung solltet ihr mindestens nutzen.

Da wir jetzt wissen, was es mit der Samplerate auf sich hat, sollten wir uns nun um die Bit-Tiefe kümmern. Diese bestimmt den Dynamikumfang eures aufgenommenen Audiosignals. Eine Faustregel besagt: Jedes zusätzliche Bit erhöht den Dynamikumfang um 6 dB. Einfach gesagt bedeutet eine höhere Bit-Tiefe weniger Rauschen. Wir empfehlen euch, mit mindestens 24 Bit zu arbeiten.

Samplepuffer

Bei der Arbeit mit DAWs entstehen Latenzen (Latenzzeit im Sinne von Verzögerungszeit) zwischen Eingabe und Ausgabe. Je nach Schnittstelle, Outboard und Rechenleistung können diese bis auf ein Minimum reduziert werden. Einfach gesagt sorgt ein geringer Wert des Samplepuffers dafür, dass euer eingespieltes Audio schneller wieder bei euren Kopfhörern ankommt. Somit könnt ihr bei Aufnahmen das Timing der Musik verbessern. Gleichzeitig erhöht sich bei einem geringen Wert aber auch die Auslastung eures Rechners.

Ihr solltet den Samplepuffer bei Aufnahmen so gering wie möglich halten. Ein zu kleiner Wert kann jedoch, aufgrund der hohen Rechenleistung, zu unschönen Knacksern führen. Habt ihr alle Instrumente aufgenommen und fangt mit dem Mixing an, könnt ihr den Samplepuffer wieder nach oben schrauben, da nun alles gleichzeitig intern synchronisiert werden kann und Latenzen hier keine so große Rolle mehr spielen. So habt ihr auch wieder mehr Rechenleistung zur Verfügung.

Mono oder Stereo?
Diese Aufnahme soll in Mono erfolgen!

Bevor ihr eure Aufnahmespuren erstellt, solltet ihr euch Gedanken machen, welche Instrumente ihr Mono beziehungsweise Stereo aufnehmen möchtet. Während ihr beispielsweise für ein Digitalpiano eine Stereospur erstellt, solltet ihr für Einzelinstrumente –beziehungsweise jedes Mikrofon – eine Mono-Spur anlegen.

Spuren farblich kennzeichnen
Jeder wählt Farben individuell, aber Spuren sollten so gekennzeichnet werden!

Nichts ist ärgerlicher als eine unübersichtliche Recording-Session während der Aufnahme oder im Mixing-Prozess. So könnt ihr euch einiges an Zeit sparen, wenn ihr eure Session von Anfang an übersichtlich anlegt. Ein wirklich hilfreiches Mittel ist das Arbeiten mit Spurfarben. Sagen wir, ihr nehmt eine Band auf und die Musiker warten bereits ungeduldig auf dem Sofa hinter euch, um ihre Instrumente aufzunehmen. Fangt ihr erst zu diesem Zeitpunkt an, eure Session vorzubereiten, könnte sich die Stimmung im Studio ziemlich verschlechtern.

Zuerst solltet ihr einen Spurplan mit allen Instrumenten, die ihr recorden möchtet, erstellen. Weist nun den einzelnen Gruppen verschiedene Farben zu. Ein Spurplan könnte folgendermaßen aussehen:

Drums (blau):
Bass-Drum (Mono)
Snare-Drum (Mono)
Tom 1 (Mono)
Tom 2 (Mono)
Tom 3 (Mono)
Overheads (2 x Mono)

Gitarren (gelb):
Gitarre (links, Mono)
Gitarre (rechts, Mono)
Gitarre (Solo, Mono)

Bass (grün):
Bass (Vers, Mono)
Bass (Refrain, Mono)

Gesang (Pink)
Main Vocals (Mono)
Backing Vocals (links, Mono)
Backing Vocals (rechts, Mono)

Erstellt nun für jedes Instrument eine Audiospur und weist diesen Spuren die von euch ausgewählte Farbe zu. Nun seht ihr sofort, welche Instrumentengruppe ihr bearbeitet und könnt ganz entspannt eure Aufnahmen über die Bühne bringen.

Signale richtig einpegeln
Gain-Regler am Audiointerface

Nun haben wir unserer Session vorbereitet und können mit den Aufnahmen beginnen. Doch zuerst müssen wir den Audio-Pegel, also das Signal des aufzunehmenden Mikrofons oder Instruments, richtig einstellen. Das könnt ihr ganz einfach mit dem Gain-Regler an eurem Audio-Interface oder Mischpult machen.

Viele Signale kommen mit einem zu leisen Pegel an eurem Audio-Interface und somit auch in eurer Recording-Software an. Somit müsst ihr diese verstärken. Sollte ein Signal von Haus aus über einen zu hohen Pegel verfügen, könnt ihr es mit einem sogenannten Pad-Schalter reduzieren.

Ist der Pegel zu gering, wird auf eurer Aufnahme das sogenannte Grundrauschen zu hören sein. Ist er zu hoch, kommt es zu Übersteuerungen. Achtet beim Einpegeln darauf noch genug Headroom, also Platz vor der Übersteuerung, zu lassen. Ein guter Wert liegt bei -6dB in der Pegelanzeige eurer Spur in der DAW. Hierbei handelt es sich jedoch nur um einen Richtwert. Nutzt in erster Linie eure Ohren und versucht Rauschen und Übersteuerungen zu vermeiden.

Ihr solltet immer vom lautesten Part des Songs ausgehen. Beispiel: Ihr stellt die Spur eines Sängers ein. Lasst ihn den lautesten Part singen. Dreht nun langsam den Gain-Regler auf und beobachtet, wie sich die Lautstärkeanzeige eurer DAW verändert. Sind die Verse leiser als der Refrain, könnt ihr sie auf separaten Spuren aufnehmen und den Pegel anpassen. Das Signal sollte niemals im roten Bereich der Anzeige sein. Ist dies der Fall, solltet ihr es zurückregeln und gegebenenfalls die Aufnahme von Neuem beginnen.

Schooljam Tipp: Bevor ihr das Kabel des Mikrofons oder Instruments einsteckt, solltet ihr euren Abhörweg auf stumm schalten, da es beim Einstecken des Kabels oder Hinzuschalten der 48-Volt-Phantomspeisung zu lauten Knacksern kommen kann.

Musik aufnehmen

Jetzt könnt ihr die Record-Taste in eurer DAW scharf schalten und mit dem Aufnehmen beginnen. Übrigens: Legt vor der Aufnahme ein Song-Tempo fest und schaltet bei Bedarf das interne Metronom an. Achtet außerdem darauf, dass ihr das Input-Monitoring aktiviert habt. So können die Musiker sich selbst und das Instrumental beziehungsweise den Klick-Track aus der DAW hören.

Bei Gesangs-Aufnahmen solltet ihr einen sogenannten Pop-Schutz vor dem Mikrofon platzieren. Hierbei handelt es sich um eine flache Membran, vergleichbar mit einem Nylonstrumpf, die meist über einen Kunststoffring gespannt wird. Somit reduziert ihr bereits bei der Aufnahme Plosivlaute wie beispielsweise „P“ und “B“, die bei einer ungefilterten Aufnahme zu Verzerrungen führen können.

Schooljam Tipp: Solltet ihr nur über einen Aufnahmeraum verfügen, eignet sich das sogenannte Overdub-Verfahren. Hierbei wird jedes Instrument nacheinander aufgenommen.

Mit Software-Instrumenten arbeiten
Software-Instrument: NI Kontakt mit einem E-Piano-Sound

Nicht immer ist es möglich, ein Schlagzeug aufzunehmen und manchmal möchtet ihr eurem Song vielleicht auch Instrumente wie Streicher oder Bläser hinzufügen. In diesem Fall sind sogenannte Software-Instrumente die richtige Wahl.

Diese sind entweder als virtuelle Versionen echter Instrumente oder als eigens programmierte Klangerzeuger ausgelegt. Die meisten Aufnahme-Programme bringen schon von Haus aus eine große Anzahl virtueller Instrumente mit. Auch Anbieter wie beispielsweise Best Service Native Instruments bieten nahezu jedes Instrument als Computer-Variante zum Kauf an.

Übrigens eignen sich virtuelle Instrumente ebenfalls perfekt, um vor den Studio-Aufnahmen eine Vorproduktion des Songs zu erstellen und die Spuren dann durch „echte“ Aufnahmen zu ersetzen.

Schooljam Tipp: Ihr wollt wissen, wie ihr euren Song nach der Aufnahme abmischen könnt? Dann schaut doch bei unserem Artikel „10 Mixing Tipps: So klingt eure Musik aufgeräumt“ vorbei!